Montag abend, 30.01.2006 - 18:38 Uhr

Meinungen ändern sich, selbst feste Einstellungen tun es. Einige der Ideale von 2003 sind geblieben, andere bereits überdacht worden. Aber wie dem auch sei, allein schon der Übersichtlichkeit halber ist es an der Zeit diese (mat-x-tension) Sektion von der anderen abzugrenzen und neue Zeilen zu schreiben. Teils um aufgestauten Emotionen Platz zu machen bevor auch mich die Gleichgültigkeit der Welt einholt, mit der wir unseren Alltag erträglicher machen (ein Schutzmechanismus?) und teils weil ich so langsam Gefallen daran finde eine ursprüngliche Video-page mit Gedankenzügen zu kreuzen die, wie es scheint, anderen gefal-len und sie zum Nachdenken motiviert. Und hee, dafür lasse ich mo-mentan den "Friedhof der Kuscheltiere" links liegen, welches ich ges-tern angefangen hab zu lesen ;)


Lebenserfahrung

Aufgrund einer kürzlichen Diskussion am Wochenende komme ich auf dieses Thema zu sprechen. Ist es richtig das Alter einer Person mit des-sen Lebenserfahrung gleich zu setzen? Können Ältere mit Jüngeren "nichts anfangen" weil sie nicht dieselbe Lebenserfahrung besitzen?
Ich bin nicht dieser Meinung, doch widmen wir uns zuerst der Gegen-seite und sprechen für sie:

Stellen wir uns zwei Sprinter vor die beide mit exakt derselben Ge-schwindigkeit, ihrer Maximalgeschwindigkeit von 160km/h, auf einer Landstraße fahren. Beide sind am Limit, können ihr Tempo bis in alle Ewigkeit halten aber keiner von ihnen wird je die 161km/h-Marke er-reichen. Nun gehen wir jedoch davon aus, dass sie nicht zur selben Zeit gestartet sind sondern Sprinter #2 erst vier Jahre nach Sprinter #1. Es wird für ihn also unmöglich sein Sprinter #1 jemals einzuholen oder ihn zu überholen. Sprinter #1 hat bisdato also mehr vom Leben gesehen als Sprinter #2, besitzt somit auch mehr subjektive Lebenserfahrung.

Doch was ist mit folgendem Beispiel? Ein Mädchen im Alter von sech-zehn Jahren wird von ihrem Vater (Ende dreißig wohlgemerkt) ge-prügelt und vergewaltigt und sieht sich irgendwann gezwungen auf der Straße zu leben. Er ist Alkoholiker, selbstverschuldet arbeitslos und stolz darauf, bekommt auch sonst sein Leben in keinsterweise geordnet auf die Reihe. Hat er also ernsthaft mehr Lebenserfahrung als seine Tochter? Und wie sieht's mit moralischen Grundsätzen aus? Weiß er was richtig ist und worauf es ankommt im Leben? Nein! Denn es hängt vom Wesen der Person ab - wie sie Erfahrungen erlebt, verarbeitet und reflektiert - nicht von ihrem Alter. Die Marlene-Theorie (Grüße gehen nach Würzburg) besagt: Nicht jeder ist zum Sprinter geboren und es kann durchaus vorkommen, dass man mal ein- oder auch überholt wird (in unserem Fall der Vater). Wer noch keinen Winter erlebt hat weiß nicht wie sich Schnee anfühlt, wer bislang immer bei seinen Eltern ge-wohnt hat weiß nicht wie es ist selbständig zu sein, wer noch nie geliebt hat weiß nicht was es heißt allein zu sein. Ich finde da ist was dran. Es ist "falsch" Menschen nach ihrem Alter zu beurteilen (dein Opa kann tatsächlich einer deiner besten Freunde sein genauso dein zehn Jahre jüngerer Cousin). Und kommt es letztendlich nicht ab und an vor, dass wir etwas von Jüngeren lernen können? Meine Erfahrungen beruhen jedenfalls darauf. So, und nun zurück zum Friedhof...

Gedankengänge - be lost #1

Manchmal liegt man im Dunkeln da und lässt seinen Gedanken freien Lauf. Sie führen einen auf verschiedene Wege mit verschiedensten Ab-zweigungen. Es sind Gedanken über die Welt, den Zusammenhang der Dinge, das eigene Leben. Die Zeit, die vor einem da war, Geschichte wie sie geschrieben steht und in Lehrbüchern nachzulesen ist, die Zeit die nach einem folgen wird, eine ferne, fremde Zukunft - ohne mich. Manchmal scheint man in Bereiche vorzudringen die eine unsagbare Trauer hervorrufen, ohne das man genau sagen kann weshalb. Meist macht man ab diesem Punkt einen Schritt zurück, verdrängt dieses un-definierbare Gefühl und denkt an schönere Dinge. Man hat Angst zu begreifen, dass alles sinnlos ist. Obwohl man es eigentlich bereits weiß...

Ich frage mich ob es richtig ist hier seine innere Stimme zu ignorieren. Vielleicht ja, vielleicht ist es aber auch nur ein Davonlaufen vor einer traurigen Realität die jegliche positive Definition von Leben mit einem Wimpernschlag zu zerstören vermag. Jeglicher Besitz, ob finanzieller, materieller, emotionaler oder geistiger Art wird ausgelöscht - mit dem Ende unseres Lebens. Das es kommt ist gewiss, wann es kommt nicht. Ob man darauf gefasst sein wird? Was geschieht danach mit uns? Werden wir Erinnerungen haben? Wie kann man
sein ohne Erinner-ungen? Es mag Dinge geben die man mit Worten nicht erklären kann, tiefgründige, individuelle Gedanken sie sich allen Grenzen widersetzen. Sie bedarfen keiner Antwort. Die Frage, die sich uns hier stellt, wäre: Was tun, wenn nicht davonlaufen? Was bringt uns ein Eingeständnis der totalen Sinnlosigkeit und Melancholie? Nichts. Außer vielleicht ein erweitertes Denken und Klarheit für alles was wichtig, schön und wertvoll ist auf dieser Welt und wofür es sich lohnt zu leben. Davon abgesehen: vielleicht ist ein Davonlaufen nicht die schlechteste aller Alternativen...

Wenn wir uns täglich weiterentwickeln, wie können wir dann heute wissen wer wir morgen schon sind? (Hee moment, nett ausgedrückt

mat-x, Patent drauf! ;)

Ein Tag wie jeder andere

Heute ist Mittwoch. Mittwoch abend, der 09.08.06 und ein heißer, wenn gleich kurzer Sommer neigt sich seinem Ende zu. Die Uhr verweist auf 21:13 was mir deutlich macht, knapp 3 Stunden allein auf dem bmx verbracht zu haben - mutterseelenallein. Nicht das mir das was aus-machen würde, es tut gut gelegentlich für sich zu sein. Das intensive Gefühl von Freiheit, das einem niemand nehmen kann egal was auch passieren mag, und die Möglichkeit seine Gedanken zu ordnen bieten sich während die Sonne unter geht und ein lauer Wind für ein Lächeln auf meinen Lippen sorgt (sowie der schöne 180° die drei Treppenstufen hinterm Münster hinab).

Und obwohl (oder gerade weil) es mir gut geht, denke ich an meine Freunde und nehme mir vor den ein oder anderen wieder öfters zu be-suchen. Meine Freunde sind Menschen die ich sehr schätze und die mit mir ihre Jugend teilten. Menschen, deren Entwicklung ebenso wenig wie die meinige stehengeblieben zu sein scheint. Menschen, die man immer im Herzen behält - ihrer bloßen Selbst willen - und die lediglich durch einen Partner oder ihren beruflichen Alltag verhindert sind öfters Zeit aufzubringen. Das alles ist nicht weiter schlimm oder gar Grund für Intoleranz. Es ist lediglich traurig wie verdammt schnell die Zeit vergeht und das schöne Momente weniger geteilt werden (können) als früher... Und während ich am Ufer der Donau vorbei flitze, frage ich mich, wie
es ist alt zu sein. Generell stellt auch das kein Thema dar, denn das Alter sollte man als etwas ansehen was uns vollendet, nicht verbraucht - ähnlich wie bei einer guten Flasche Wein. Doch im Jetzt scheint diese Vorstellung an Immobilität und Bettlegrigkeit fast unmöglich. Zuviel kann und wird noch in der Zwischenzeit passieren. Aber meine Freunde, die werd ich behalten. Soviel steht fest :)

Später schießt mir das Schlagwort "Ex-Freundin" durch den Kopf.
Und ich lächle wieder weil ich mich an ein Zitat erinner:
"Nach dem Leben fühlen wir uns so wie zu unserer glücklichsten Zeit auf Erden" Nein, nein, nein, jetzt keine Bedenken bitte! Nach mehr als drei Jahren absoluter Funkstille ist auch ein mat-x drüber hinweg. Das sie aber zu den Personen gehört, die ich immer lieben werde (auf meine ganz eigene Art) und mit der ich die bislang schönste Zeit meines Lebens verbringen durfte, kann ich nicht leugnen. Genauso wenig wie den aufkommenden Gedanken "Was mag sie heute wohl gemacht haben?" - am 09.08.2006 (im Übrigen ein Tag wie jeder andere...)



Freitag Abend, 06.10.2006 - 21:43 Uhr - Impressionen

Heute ist Fini's Geburtstag und vor einer guten Stunde kam ich wieder nach Hause ohne jemals wirklich dort gewesen zu sein. Wie? Warum? Hä?? - Vielleicht beginnen wir hier: 19:30Uhr Ich habe meine kurze Hose an, unter dem ReißverschlussSweatshirt intuitiv ein kurzärmeliges T-Shirt (was sich für gewöhnlich erübrigt) und verstaue eben noch meinen drei Monate alten "Philips Go Gear mp3-Player" mit 1 GB Speicher und knapp 181 songs zur Auswahl in meiner Hosentasche während ich den Satz mit einem Punkt beende um auch dem weniger aufmerksamen Leser gerecht zu werden und nicht unnötig mit meinem Detailreichtum für Verwirrung zu sorgen, welcher an diesem Abend nunmal eine große Rolle für mich spielte und schlussendlich entschei-dend zu der Überlegung führte, das "About me" dieser Homepage zu erweitern. Doch fahren wir fort im Text:

Vorfreudig schiebe ich mein bmx zur Haustür hinaus, atme die frische Oktoberabendluft ein (nettes Wort) und spüre sofort, dass das Zusatz-shirt (doofes Wort) später seine Pflicht erfüllen wird. Es dämmert. In weniger als 15 min. wird es fast komplett dunkel sein. Dieser Umstand beruhigt mich eher, als dass er zur Eile drängt. So schwinge ich mich auf den Sattel meines treuen Begleiters und spüre bereits nach wenigen Metern bedrohlich die Schmerzen im rechten Knie, die vom stunden-langen Radfahren des Vortages stammen (mit Radfahren ist das Tricksen bis zur körperlichen Erschöpfung in und um Ulm gemeint, welches der mat-x mindestens einmal wöchentlich braucht). Ich gehe im Kopf die kürzeste Route durch, wechsle Straßenseiten und verfalle bald in ein gemütlich-zügiges Tempo. Auf dem fast 13km langen Hinweg, von Offenhausen nach Nersingen, erfreue ich mich an Banalitäten wie ein kleines Kind sich über Geschenke an Heilig Abend. Im Dunkeln erkennt man eine einzelne Maisstaude auf einem ansonsten komplett säuberlich gedreschten Feld (Ableitung von Mähdrescher), die ein Bauer absichtlich stehen ließ (mat-x-sche Mutmaßung). Als die Wolken, weitere Meter später, den Mond freigeben und dieser sich fahl auf der Wasseroberfläche des Sees zur Rechten spiegelt, sehe ich willkürlich das Szenario zur Sommerzeit vor meinem inneren Auge und erinner mich daran, wie es sich anfühlte mit Fini vier Jahre zuvor dort hinten zu liegen (in den nunmehr dunklen Büschen). Ich verwerfe den Gedanken, stelle die Lautstärke des mp3-Players eine Stufe nach oben und trete weiter in die Pedale. Man fühlt sich relativ gut auf diesem Weg, der einem sehr bekannt vorkommt und den man 3 1/2 Jahre lang unzählige Male gefahren ist. Jetzt sind es höchstens noch drei Kilometer bis zu meinem Bestimmungsort. Froh darüber, dass der Mond mir den Weg leuchtet und es nicht regnet, horche ich in mein Inneres. Ich friere nicht, ich schwitze nicht und auch die Schmerzen im Knie sind, dank sturrer Ignoranz meiner Selbst, fast verschwunden. Neben den schön-traurigen Klängen des "Final Fantasy 10 - Soundtracks" aus den Kopfhörern, vernehme ich das Zirpen von Grillen und ein unerklärliches Gefühl von Glück(lichsein). In Nersingen kommt mir Vieles so vertraut und doch so fremd vor. Häuser, Gärten, Zäune und Gehwege wurden fertiggestellt, die damals teilweise noch nicht mal im Bau waren. Ohne sagen zu kön-nen weshalb, hinterlässt auch dies seltsame Spuren in mir. Manches verwundert mich, manches erfreut mich es fertig (und gelungen) zu sehen. Ich ziehe einen ca. 15m langen Manual mit dem bmx und lächle über den kleinen Balanceakt auf den frisch geteerten, dunklen Wegen. Wie für mich gemacht! Weiter hinten biege ich nach links ab und lasse damit endlich die stark befahrenen Straßen hinter mir (die B10, welche dann zur Nersinger Haupt- bzw. Durchfahrtsstraße wird) um nun die abendliche Ruhe in den Nebenstraßen zu genießen.

Jetzt, kurz vor dem Ziel, ist es auf einmal aber so, als würde ich eine unsichtbare Wand der Erinnerungen durchbrechen. Mir schießen tausend schöne Szenen durch den Kopf die sich damals hier abgespielt haben, soviel schöne Momente, soviel positive Gefühle die ich erfahren durfte, während wir gemeinsam und glücklich unsere Beziehung führten und in einer komplett anderen Welt lebten. Eine Welt, in welcher es die gleichen Probleme und Sorgen gab wie heute - diese aber lang nicht so viel Macht über mich/uns besaßen. Eine Welt, in der die Liebe alles andere in den Schatten stellte und die den Wirkstoff besaß, der das Leben erst zum Leben machte. Jetzt kommt es mir wie ein Traum vor, der langsam schwindet...

Je näher ich ihrem Haus komme, desto klarer kann ich denken, fühlen, mich und den Wandel meiner Person nach der Beziehung verstehen. Alles ließ sich in Worte fassen. 20m vom Grundstück entfernt nehme ich ihre Geschenke aus meinem Rucksack, rolle mit Schmetterlingen im Bauch bis zur Einfahrt, lege alles fein säuberlich auf den Boden (meine Art. Ich klingle bestimmt nicht, wenn der neue Freund am Tisch im Haus / im Haus am Tisch sitzt) und bin zum ersten Mal froh Wachhund Meggie nicht zu sehen. Diese(r) hätte nur euphorisch gebellt und mein Vorhaben vereitelt ;) Hinterm nächsten Eck noch schnell eine sms ge-schrieben (auf die bis jetzt noch keine Antwort kam und auch keine mehr kommen wird), und zufrieden den Heimweg angetreten. Zufrie-den? Weshalb? Nunja, weil ich nunmal bin wie ich bin. Dank erwarte ich keinen. Erhoffen tu ich mir damit nichts weiter, als dass es ihr eine Freude macht (was mich wiederum freut :) und Spass hat die Sache irgendwie ja auch noch gemacht. Lieber schmeiß ich die Mücken so zum Fenster raus, als sie für irgendeinen Schwachsinn auszugeben... (paradox, i know)

Die sonderbaren Gefühle verblassen schneller als mir lieb ist. Spürbar wende ich mich von der Vergangenheit ab, blicke nach vorn - und be-merke dass es Winter wird. Sonderbarerweise keimen erste Zweifel auf, so einen Schund überhaupt noch online zu stelllen. Es wären (sind ;) absolut stupide, blog-ähnlich-langweilige Zeilen. Gefühle einzufangen und mich dieser immer zu erinnern wenn ich Verlangen danach spüre - vielleicht mit alten Fotos zu vergleichen - das mögen meine Gedanken gewesen sein. Als ich mich vorhin an den PC saß und zu schreiben be-gann, kam es mir regelrecht falsch vor. Schluss mit Gefühlen, Schluss mit details. Es ist wie wenn man nachts angetrunken, urinierend am Ufer eines Sees steht, in einer Hand den Bierkrug, in der anderen sei-nen ... räusper ... hält und im Hintergrund leise + fröhliche Blasmusik vernimmt - ein schöööööööönes Gefühl - später im Vollrausch dann noch Pommes oder nen Wurstsemmel verdrücken, jummy :)) Mehr
aber auch nicht. Jeder kennt das, jeder liebt das. Irrational darüber zu schreiben - dennoch hab ich's getan. Und mir ist es ******egal! Ich hau mich jetzt auf's Ohr, morgen steht der nächste Geburtstag an *lach*.

Anm. des Autors: Ja, ich bin nüchtern. Ja, Sinn und Inhalt dieses Textes verstehst du am besten wenn du mat-x heißt. Ja, besorg dir die "How to ride - part 2" dvd (release 2007) um in Erfahrung zu bringen wie ein Manual aussieht. Gute Nacht!

Mittwoch Nacht, 22.02.2007 - 00:57 Uhr - Korrekturen

Nachdem ich mir jetzt die komplette "mat-x" - Sektion reingepfiffen hab (und damit neber der damaligen Schreib- jetzt auch noch die Lese-arbeit kennenlernen durfte), stelle ich fast schon entsetzt fest, wie plump das Ganze dort geschrieben steht! Kann ja sein, dass man immer zu selbstkritisch mit sich ist. Kann aber auch sein, dass ich einfach nicht die nötige Ausdrucksweise beherrschte und Emotionen schnell + wirr auf Papier bzw. LCD klatschte... Immerhin entstand AboutMe während meines einwöchigen, kränkelnden Aufenthalts zu Hause, welcher eigent-lich ja mit Bettruhe verordnet worden war. Hmmmm, selbst meinem damaligen, letzten Absatz kann ich nicht mehr zustimmen: "das Ganze nochmals überarbeiten, etc." Ja bin ich denn noch ganz bei Trost? Welcher Gaul hat mich da geritten - und vor allem wie lang? Nee nee, davon lass ich mal lieber brav die Finger - too much! Das grenzt an Tobsucht, Tollwut und Tolkien! Aber wenigstens steht eins damit fest: man bleibt nicht stehen sondern entwickelt sich weiter. Und weiterent-wickeln sollte sich auch das Kapitel der mat-x -Sektion. Hmm, viell. komm ich diese Woche noch dazu (fauler Hund bin)

Montag Nacht, 26.02.2007 - 00:28 Uhr - AoF?

Obwohl ich das Thema Arbeit schon mal angesprochen und leicht an der Oberfläche gestriffen habe, füge ich jetzt einige Dinge an, die damit in Zusammenhang stehen. Wie etwa der Arbeitslosigkeit. Denn mit ge-nau dieser sehe ich mich seit nunmehr vier Monaten konfrontiert. Der Titel der Überschrift lautet Arbeitslosigkeit oder Freiheit? Diese beiden Begriffe sind sich nämlich gar nicht so unähnlich wenn man sich als Betrachter (oder betreffende Person) mal damit auseinandersetzt. Fakt ist doch: ich kann eine (objektiv) negative Situation als negativ oder eben positiv empfinden und durchleben! Nur beim Resultat trennt sich die Spreu vom Weizen: Durchlebe ich eine negative Situation auch ne-gativ, so bringt mir das rein gar nichts außer eine Zeit, an die ich mich später ungern erinnere! Mach ich das Beste draus und lass mir die un-vermeidlich negative Situation am Popo vorbeigehen, so blicke ich im-merhin auf eine Zeit zurück in welcher es mir nicht nur schlecht ging. Das leuchtet jedem ein auch wenn es manchmal schwieriger zu reali-sieren scheint als man annimmt, wenn es einem gut geht. Seh mal etwas Positives daran wenn ein enger Freund oder (d)eine Freundin tödlich verunglückt... So etwas geht nicht, da brauchen wir nicht weiter drüber diskutieren (oder Monologe führen ;)

Bei meiner Arbeitslosigkeit hat das jedenfalls hervorragend geklappt! Womit ich die Komponente Freiheit einleite: es gab nicht einen einzigen Tag in den vier Monaten an welchem mir auch nur ansatzweise lang-weilig geworden wäre. Ich hatte quasi endlich mal Zeit, Dinge zu erledi-gen, die ich mir schon ewig vorgenommen hatte oder die ich schon längst erledigt haben wollte. Bücher lesen (viele), homepage bearbeiten, Freunde besuchen, Freizeitangebote nutzen, bmx fahren an jedem son-nigen (oder eben nicht regnerischen) Tag, und immer in Gedanken, dass es das letzte Mal sein könnte, sooo lange beruflich unbeschäftigt (und somit
frei) zu sein... Wenn man dabei das ständige Bewerben nicht ver-nachlässigt ist das alles legitim und kann mit gutem + reinen Gewissen verfolgt werden. Denn mehr, außer dich um Stellen zu kümmern, kannst du sowieso nicht machen! Verglichen mit folgender Situation: Man liegt nachts im Bett, hat Sorgen (welche auch immer) und kann deswegen nicht einschlafen! Totaler shit! Mach dir immer bewusst: JETZT, just in diesem Moment, kannst du sowieso nichts an diesen Sorgen ändern, wenn schon, dann morgen früh (die nächsten Tage, Wochen oder Monate - abhängig vom Problem).

Missen möcht ich diese Zeit also irgendwie nicht... Und nur keine Sorge falls auch du (unverschuldet) arbeitslos bist oder werden solltest. Heut-zutage ist das schließl. nicht mehr so eine "Schande" wie vielleicht früher einmal. Die Arbeitgeber wissen das und meine Kontakte vom Arbeitsamt (nein, der Agentur für Arbeit), die mir laufend die unglaub-lichsten Geschichten erzählen, ebenfalls. Und solltest du, ähnlich wie ich, in die Misere geraten an die 70 Bewerbungen rausschicken zu müs-sen, verzweifel nicht daran sondern bleib optimistisch. Denk an die obigen Zeilen! Zögere auch nicht dabei, die Arbeitslosigkeit einer po-tentiell sicheren Stelle vorzuziehen, sollte diese
nicht deinem guten Ge-fühl (oder deiner Intuition) entsprechen! Bei sowas täuscht man sich verdammt selten. Denn was bringt es, etwas anzunehmen, nur damit man etwas hat und nicht mehr arbeitslos ist, wenn einem die neue Stelle überhaupt nicht zusagt und man jeden Tag total unglücklich ist? Die drei Komponenten (Beruf, Familie, Liebe) müssen stimmen, manche Leute treibt eine Unstimmigkeit (bzw. ein Nicht-Erreichen oder Schei-tern dieser Komponenten) zu Selbstmord! Es liegt also an dir...

Einmal hat mich die Geschäftsleitung eines Betriebes gefragt was ich von Leuten in Anzügen halte. Ich erwiederte, dass diese eine gewisse Autorität ausstrahlen, man letztendlich aber
jeden in einen Anzug stecken könne und dies nichts über seine Kompetenzen aussagt. Da er selbst Anzugträger war, fühlte er sich von meiner (eben ehrlichen) Aus-sage angegriffen und der Rest des Gespräches verlief solala ;) Später kam eine Zusage zum Probearbeiten, das ich nie angetreten und bis heute nicht bereut habe... Das Beste war: ich hätte bei dieser Stelle nicht einmal Kundenkontakt gehabt, sprich die notwendige Option eines An-zugTragens - soviel dazu. Davon abgesehen: eine total bescheuerte Frage! Als Mensch hab ich eben solche und solche Ansichten bzw. Mei-nungen, die man respektieren und nicht verurteilen sollte! Genauso hätte er mich fragen können, was ich (als Nichtraucher) von Rauchern halte...

P.S.: Anzüge stehn mir. Seh darin aus wie Jason Statham in den "Transporter"-Teilen ;) - auch wenn ich nicht unbedingt der Typ dafür bin oder mich im Beruf darum reiß, welche zu tragen. Und nun Schluss - 01:13Uhr! Wurde viel ausführlicher als beabsichtigt - sollte Autor werden *gähn*


Any lucky penny

Einleitung:
Wenn du für den Rest deines Lebens in einem Irrenhaus eingesperrt wärst, würdest du dich anpassen und damit über kurz oder lang eben-falls verrückt werden wie alle anderen dort, nur um nicht allein zu sein und mit jemandem kommunizieren zu können? Oder würdest du dir selbst treu bleiben, isoliert mit deinen Gedanken und Gefühlen ohne jegl. Verständnis der Irren, verdammt dazu für den Rest deines Lebens dort drin ein Einzelgänger zu sein, den keiner akzeptiert?


Hauptteil:
In den letzten Tagen, Wochen, ja vielleicht sogar Monaten fiel es mir schwer, mir selbst und meinen Prinzipien treu zu bleiben. Kein Wunder bei den äußeren Einflüssen der Umwelt (und das bezieht sich nicht auf die ökologische, sondern soziale, berufliche und gesellschaftliche) und der Schlechtheit der Welt. Ich fühlte mich wie der "gesunde Patient" der Einleitung oben, dem es schwerfällt nicht verrückt zu werden bei all dem negativen Druck von außen. Ich war wie Treibgut, das ziellos in den Weiten eines Ozeans schwimmt - verloren. Doch die Vorkommnisse des gestrigen Abends lassen mich wieder beginnen zu kämpfen. Was genau dort vorgefallen ist muss an dieser Stelle nicht erwähnt werden und bleibt für euch irrelevant. Fakt (und für euch, dank sehr harter Über-leitung, schwer zu verstehen) ist: Ich habe mich verliebt in Nikki Hass-man's
"Any lucky penny"... Oft siniert man in der Gegenwart über be-sonders gute oder besonders schlechte Ereignisse der Vergangenheit und sagt dann "Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern". Bei diesem Lied ist es genau umgekehrt. Wenn ich es höre, wie in genau diesem Moment, erinner ich mich nicht nur an die schönen Erlebnisse von ges-tern sondern weiß ganz genau, dass ich in zwei oder fünf oder noch mehr Jahren immer sofort daran erinnert werde und sich ein Lächeln auf mein Gesicht zaubern wird. Dies verändert zwar jetzt nicht gleich mein Leben - aber ich zehre davon und werde es noch ewig können.

Selten habe ich so klar denken können wie in diesen Stunden am heu-tigen Tage. Vergleichbar mit dem Denken direkt nach dem (erfüllten ;) Sex. Man begreift auf einmal alles Wesentliche auf dieser Welt und kann es differenzieren von den scheinbar wichtigen Dingen des Alltags, mit denen wir täglich konfrontiert werden - ob wir wollen oder nicht. Man ist ganz sich Selbst (stimmt das grammatikalisch?) Schade, dass dieses Denken nicht immer und ohne die Magie des "Any lucky penny" ver-fügbar ist...

Schluss:
Was will ich damit sagen? So schlicht und bedeutungslos es klingen mag: Bleibt euch selbst treu. Kämpft für eure Überzeugungen und Prinzipien, auch bzw. erst recht in scheinbar aussichtslosen Zeiten. Denn kein anderer Mensch auf dieser Welt weiß was gut oder richtig für euch ist, nur ihr! Nicht mal eure Eltern oder Freunde, denn sie haben einfach nicht
euer Leben, sondern ihr eigenes, das ganz anderen Regeln folgt und sich nicht mit euren vergleichen lässt. Ich werde in Zukunft ver-suchen eine Art Schutzschild um mich zu bauen - und das ist keines-falls negativ zu bewerten. Es soll all den Müll abwehren, der mir ver-sucht zu sagen wie ich sein soll oder was viell. objektiv "richtig" ist. Geht es nicht darum, wie ich mein Leben lebe und es in die Hand nehm? Wenn nicht, um was denn dann? Was ebenfalls nicht als bloße, dahingestellte Weisheit zu verstehen sein soll: Genießt das Leben. Wer weiß schon, wann es vorbei ist? Vielleicht schneller als uns allen lieb sein wird. Und wer möchte im Alter schon gerne auf seinen ganz persön-lichen Weg zurückblicken und sagen müssen "Wo sind all die schönen Stunden hin?" Die Gegenwart zählt, sonst nichts. Und auch wenn sich das alles ganz simpel und einleuchtend liest, wieviel Menschen handeln tatsächlich nach diesen "Grundsätzen des Lebens"?

Wenn es einen allerwichtigsten Gegenstand in eurem Leben gibt, egal welcher Art (ein Lied, ein Bild, ein Brief, ein Mensch,...), ruft ihn euch in Erinnerung oder holt ihn her und fangt erneut an zu begreifen. Meiner Meinung nach, kann man das nicht oft genug tun - es ist alles was zählt! Falls
du diese Zeilen liest: vielen, lieben Dank für gestern...
du hast mir das gegeben, was all die Zeit über gefehlt hat und du hast mir die Augen geöffnet, nachdem ich sie so lange verschlossen hielt.
Das werde ich nie vergessen!

Mat and the cat - Impressionen #2

Sonntag abend, 19. August 2007. Nachdem wir gestern abend auf einer beach-party in Kissendorf waren, dort bis 04:00Uhr in der Früh blieben und ich heute somit erst gegen 11:30Uhr aufwachte, sah die Tagespla-nung folgendermaßen aus: rausgehen, bmx fahren, das Wetter und die Tatsache genießen, keinerlei Verpflichtungen zu haben oder an Dinge gebunden zu sein, die unbedingt erledigt werden mussten. Ich kam ca. drei Kilometer weit mit meiner Planung. Diesmal mit dem Soundtrack von FF7 im Ohr bog ich am Pfuhler Schulzentrum ein, erinnerte mich daran wie es war hier die Pausen mit Freunden (und Freundinen vom Gymnasium drüben ;) verbracht zu haben und erblickte schließlich einen Baum, der meine Aufmerksamkeit auf sich zog. In knapp 3 m Höhe verzweigten sich seine Äste so vorteilhaft, dass sich mir der Drang nach einem backflip dermaßen aufzwang und es unmöglich war vorbei-zufahren ohne dies wahrzunehmen. Trotz Muskelkater vom Vortag (Turmspringen im Münchner Olympiabad mit checkflo), wagte ich es und landete sauber + sanft im weichen Gras... Als ich gerade zurück-laufen und mein bmx holen wollte, bemerkte ich wie mich ein gefähr-liches Raubtier mit gestreckten Hinterbeinen und starrem Blick beo-bachtete. Süüüss, dachte ich mir, und näherte mich behutsam langsam dem Stein auf welchem es unverändert und angespannt lauerte. Noch einen Meter entfernt, zeigte es/sie mir die Krallen und riss das Maul zu einem Fauchen auf. Relativ unbeeindruckt und innerlich total ruhig, brachte ich auch den letzten Meter unerbittlich hinter mich und setzte mich direkt neben das Ungetüm. Selbiges fing augenblicklich an sich an mich zu schmiegen, mit dem Kopf an meine rechte Seite zu drücken und dabei immer wieder hin und her zu laufen. Ich ließ dies einige Zeit zu (immerhin hatte ich ein frisch gewaschenes Burton-T-Shirt an, welches mittlerweile schon voller Katzenhaar strotzte), wechselte die Musik im mp3-Player auf "Aeris Theme" und beschloss mit der Bestie Freund-schaft zu schließen.

Während ich sie anfangs nur unterm Kinn, an den Ohren und der kom-pletten Rückenpartie kraulte, erfreute es mich umso mehr als sie sich auf den Rücken legte, alle Viere von sich gestreckt, und sich mir ihr schönes, weißes Fell am Bauch offenbarte. Ich nahm dies als Zeichen "großen Vertrauens" auf und streichelte sie dort weiter, zufrieden das ach so grauenvolle, wilde Tier doch noch gezähmt zu haben. Ohne diesem Spiel überdrüssig zu werden, machte ich weiter und vergaß Raum und Zeit um mich herum. Ich versuchte mich in das kleine Fell-knäuel reinzuversetzen und die Welt mit ihren Augen zu sehen - mit aller Zeit und Ruhe im Gepäck. Zwischendrin kletterte ich einmal auf einen größeren, pi-förmig gehauenen Stein und betrachtete Mietzi von dort oben während es zu mir aufsah und sich dann doch tatsächlich daran versuchte ebenfalls zu mir zu gelangen (unmöglich bei dieser Höhe und der relativ glatten Oberfläche des Steins, welcher einer Katze keinen Halt gewähren konnte). Erschüttert über meine eigene Grausam-keit kletterte ich wieder hinab und legte mich, nunmehr auf dem Rük-ken und mit geschlossenen Augen, auf den ersten Stein. Sofort kam das namenlose Tier wieder angeschlichen, sprang zu mir hoch und machte es sich doch tatsächlich auf meinem Bauch (T-Shirt ;) bequem wo es zu schnurren begann. Ohne Regung verbrachte ich so mindestens die nä-chste 3/4 Stunde, genoß die Wärme des sonnenbeschienen Steins an meinem Rücken einerseits und die Wärme des kleinen, kuscheligen Bündels auf meinem Ranzen andererseits. Wir (ja, genau: WIR) lau-schten den Vögeln, dem vereinzelten Krächzen der Raben, dem Rasch-eln der Blätter im Wind und dem entfernten Motorengeräusch verein-zelter Fahrzeuge auf der Hauptstraße. Nicht zu vergessen: dem FF7-Soundtrack (in der Zwischenzeit um einige Stufen leiser gestellt). Ohne richtig zu dösen, hätten wir ewig so weiter daliegen können. Dann spürte ich die ersten Regentropfen. Unbeindruckt davon rührte sich MEIN kleiner Freund, mit der "eingravierten" Kennung
NU03 im Ohr, keinen Zentimeter und ich streichelte sie erneut. Merkwürdigerweise empfand ich das kurze und kalte Wetterschauspiel keinesfalls störend - im Gegen-teil: irgendwie beruhigte es noch mehr. Immer noch mit geschlossenen Augen machten sich die Finger meiner rechten Hand (die linke diente als Unterlage für meinen Kopf) auf die Suche nach den Zonen, die ich bislang bei Katzi noch nicht berührt hatte (ohja, das klingt jetzt sehr pervers, ich weiß :kopfschuettel:). Dazu gehörten die weißen Pfoten samt "Fußballen" und Krallen sowie der kurze Nasenrücken und der Bereich zwischen den Augen. Sie ließ sich alles gefallen und schnurrte immer noch. Eine seltsame Beziehung war das...

Zurück aus meinen Gedankengängen (Wie ist das Leben als Katze? Wie nimmt das Kätzchen die (Um)welt war? Hat sie gerade vielleicht Hunger oder Durst? Was denkt sie über mich? Mag sie mich? Und wenn ja, weshalb? Wird sie sich jemals an mich erinnern können wenn ich jetzt gehe? Denkt sie überhaupt etwas? Was wäre wenn sich die Katzen auf diesem Planeten durchgesetzt hätten und nicht die Rasse der Menschen? Was tuscheln die zwei netten Mädels gerade, die mit dem Rad an mir und dem Vieh auf dem Bauch vorbeifahren? Halten mich Leser für ge-stört wenn ich mich nachher an den PC setz und tatsächlich über diesen Vorfall heute einen Eintrag verfass? Wie soll ich überhaupt mehrere Zeilen über so eine scheinbar bedeutungslose Situation verfassen?) in der Realität setzte ich mich langsam und vorsichtig auf, ihr wegweisend zeigend, dass es jetzt an der Zeit ist den gemütlichen Platz auf meinem Bauch zu verlassen. Es war an der Zeit zu gehen. Zuerst aber kniete ich mich noch nieder ins Gras und war nun auf einer Höhe mit ihr (sie lag ja immer noch bzw. wieder auf dem Stein). Aus ihren klugen grünen Augen wurde ich nicht schlau. Und während ich versuchte ihr klar zu machen, dass ich jetzt geh und wir uns wohl niemals wieder sehen wer-den (und wenn, dann bin ICH derjenige, der sie nicht erkennt - ein grau-schwarz-haselnussbraun gestreiftes Fell mit weißen Pfötchen haben viele Katzen), strich ich ihr ein letztes Mal über das flauschige Köpf-chen. Wie sauber und rein ihr Fell war. Sie fing meine Hand ab und leckte mir die Finger - ein Putz-Ritual zum Schluss? Naja, es war schön warm, weich und trotzdem rau ;) Meine letzten und zugleich ersten gesprochenen Worte zu ihr waren schließlich, "Ich werde dich vermis-sen, Süsse". Dann nahm ich das Rad und während ich es übers Gras schob, ließen wir uns nicht aus den Augen. Und auch als ich etliche Meter entfernt war, mich ein letztes Mal zu ihr umdrehte, sah sie mir noch nach. Fazit: Entweder bin ich einfach nur lierlieb und bau unge-mein gern Beziehungen mit ihnen auf ODER (und das ist nach Selbst-analyse wahrscheinlicher) reflektiert solch ein Verhalten nur meine verletzte Seele *zwinker*.

Ich fuhr anschließend nicht mehr bmx, nur noch nach Hause. Schöner hätte ich mir meinen Sonntag nachmittag nicht vorstellen können, froh darüber, dass ich mich nach wie vor an den banalen und scheinbar un-bedeutenden Dingen des Lebens erfreuen und ihnen etwas abgewinnen kann. Es waren insgesamt zwei einhalb Stunden vergangen... Danke Kätzchen. Wo auch immer du bist, was auch immer du machst -
du und dieser Tag bleiben verewigt auf mat-x.de. Und nur noch deine restlichen Katzenhaare auf meinem Shirt zeugen davon - Miau!

Oh my god, i'm a freak! Sorry, but i have to go... Der nächste Eintrag wird sachlicher, verspro
chen :)


changes - eine Kurzgeschichte nach wahren Begebenheiten

Er war ein Chaot. Seitdem ich ihn kannte. Aus brenzligen Situationen wurden handfeste Schlägereien dank ihm. Seine vorlaute Klappe über-trug sich wie ein roter Faden auch auf andere Gebiete. Was hat er uns nicht alles eingebrockt?

Dennoch war er liebenswert. Ein ebenso wichtiger Bestandteil unserer festen Clique wie alle anderen in diesen vielen Sommermonaten meiner frühen Kindheit. Andernfalls hätten wir nichts mit ihm zu tun gehabt.

Auf diese Art fraß er sich in meiner Erinnerung fest.

Jahre später (ich weiß noch, es kam mir vor als lägen Welten zwischen dieser Zeit und jenen Tagen von damals) musste er erneut die Schule wechseln und befand sich plötzlich inmitten unserer Klasse. Und das obwohl er zwei Jahre älter war. Einerseits freute ich mich ihn wieder zu sehen, von nun an täglich, andererseits war er nicht wie wir und ich fragte mich, ob er meinem Lebenslauf gut tun würde. Kaum zu glauben, dass wir Monate vor der Abschlussprüfung zusammen saßen und auf Rechnungswesen lernten. Beide waren wir Nieten in diesem Fach. Uns fehlten sämtliche Grundkenntnisse und es ging um unser Bestehen. Wir waren die Einzigen, denen der Lehrer prophezieh, dass wir es niemals zu etwas bringen würden. Und so kämpften wir. Jeden Tag, den ganzen Tag, während draußen die Sonne schien. Konsequent, kontinuierlich und verbissen. Wir wollten es allen beweisen. Am meisten jedoch uns... Es war hart - viel Stoff und viel Wissen, dass es nachzuholen galt. Ganz nebenbei schweißte es aber auch unsere Freundschaft auf's Neue zu-sammen, fester denn je.

Im Juli 1998 bestanden wir beide die Prüfung mit einer 3,0. Es hieß Abschied nehmen. Von der Klasse, von den Freunden, vom damaligen Leben. Und von ihm.

Viele Jahre lang sahen wir uns überhaupt nicht mehr. Wie vom Erd-boden verschluckt. Dann, eines schönen Nachmittags im August - ich war mit meinem bmx unterwegs - prallten wir zufällig aufeinander, re-flektierten und schmunzelten über die Ereignisse. Er erzählte mir von seiner abgeschlossenen Berufsausbildung, dass er jetzt für ein Jahr ins Ausland gehen würde und danach ein Studium in Betracht ziehe. Als sich unsere Wege schließlich trennten, wusste ich, dass er seine Vor-stellungen in die Tat umsetzen würde.

***

Heute, am 20. Dezember 2008, stand ich bereits um 07:00Uhr auf.
Mehr als zehn Jahre sind seit der Abschlussprüfung ins Land gezogen und Ewigkeiten seit dem Gespräch. Weshalb ich gerade jetzt an diese Situation zurück denk, weiß ich nicht. Es spielt auch keine Rolle. Wichtiger ist mir die Frage: "Was war es, das ihn in seinem Denken und Handeln grundlegend verändert hat?" Oder bin ich vielleicht derjenige der sich verändert hat, weil ich bereit bin, das, was schon immer tief in ihm steckte, in einem anderen Licht zu sehen? Wohl von beidem etwas.

Wie dem auch sei: mit Rechnungswesen hatte ich danach nie wieder Probleme. Auf der Berufsschule kam es mir ziemlich logisch und ein-fach vor, fast schon langweilig. Und Boris? Nun, ich sah ihn nie wieder. Doch die Gewissheit, dass er auch hin und wieder an unsere Abenteuer denkt - an die guten genauso wie an die haarsträubenden - die ist da...

Auszug aus einem Interview mit Prof. Dr. Oswald Oelz

Ich glaube, dass das Leben ohne Schwierigkeiten langweilig ist. Das Leben, so wie wir uns das (in unserer Zivilisation zumindest) eingerich-tet haben, ist zeitweise zwar ganz schön stressig (vor allem dann, wenn wir uns darum bemühen, möglichst viel Geld zu verdienen, um mög-lichst viele Dinge zu kaufen, die wir nicht wirklich benötigen) aber greif-bare Herausforderungen haben wir keine mehr. In einem großen Ge-birge ist das anders, dort kehren wir in das Umfeld zurück, in welchem wir unsere Evolution vollzogen haben.

Wir sind nicht dazu geschaffen, in einem Büro vor einem Computerbild-schirm zu sitzen, sondern sind dazu gemacht, zu jagen, zu sammeln und uns unseren Lebensunterhalt hart zu erkämpfen. Die Urtriebe mögen vielleicht verkümmert sein, aber sie sind nicht weg. Richtig ist, dass sie in unserer technischen Umwelt nicht nötig sind, ebenso richtig ist, dass manche von uns dieses unmittelbare Leben vermissen. Gerade deshalb kehren wir im Himalaya oder in den Alpen oder in irgendeiner anderen schwierigen Situation – in der das Überleben nicht garantiert ist – dahin zurück, wo wir uns um nichts anderes als die grundlegendsten Dinge kümmern müssen. Früher musste der Mensch aufpassen, dass ihn der Bär nicht frisst, im Gebirge müssen wir heute aufpassen, dass uns die Steine nicht erschlagen. Müssen schauen, dass wir nicht zu kalt werden, zu essen und zu trinken haben. Alles andere wird total unwichtig. Und das ist das Befriedigende daran.

Sich in problematischen Umweltverhältnissen behaupten zu müssen ent-spricht unserem Naturell und unserer evolutionären Herausforderung. Lüftet unser Bewusstsein durch, macht es frei. Zu sehen, dass wir uns in solcher Umgebung nach wie vor behaupten können, befriedigt uns so, dass wir mit völlig aufgeladenen Batterien zurückkehren und in unserer unnatürlichen Zivilisation wieder voll funktionsfähig sind. Dieser Kick ist logischerweise umso größer, je größer die Gefahren, je größer die Schwierigkeiten, je größer die Leiden. Und gerade das Leiden ist ein äußerst produktiver Zustand, weil sich im Leiden viel verändert. Ich kann das gerne am Durst illustrieren. Wissen wir noch, wie es ist, Durst zu haben, wie unglaublich köstlich Wasser schmeckt? Wenn man im Himalaya oder in einer sonstigen Wand in den Alpen viele Stunden klettert und nichts oder zu wenig zu trinken dabei hat, wird man sehr, sehr trocken. So trocken, dass man kaum noch krächzen kann vor lauter Durst. Findet man dann irgendwo abgestandenes, lauwarmes Wasser, ist das das Beste, was es auf der Welt gibt. Solche Erfahrungen sind wertvoll. Man wird mit ganz einfachen Dingen wieder zufrieden. Erkennt, wie wenig es braucht, um glücklich zu sein. Wenn man jeden Tag einen guten Bordeaux trinkt, dann schätzt man ihn mit der Zeit nicht mehr, aber wenn man achtundvierzig Stunden kein Wasser mehr gehabt hat, dann weiß man jeden einzelnen Tropfen davon zu schätzen.

Vielleicht helfen diese Ausführungen, das Tun und Nichtlassen dieser Menschen besser zu verstehen. Wobei ich mir sehr bewusst bin, dass sich diese in einer Dimension bewegen, in welcher fast nicht zu begreifen ist, um was es wirklich geht.

(entnommen aus: Ueli Steck „Solo“ - http://www.uelisteck.ch * http://www.oswald-oelz.ch)

Leben

„Wir gehen alle auf dieselbe Reise. Nur auf verschiedenen Wegen.
Du gehst deinen eigenen Weg“ heißt es in
Der seltsame Fall des Ben-jamin Button. Gibt es dabei richtig oder falsch, klar vorgegebene und strukturierte Wege? Oder sollte man gar Irrwege einschlagen um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen und nicht ganz alltägliche Erfahr-ungen zu sammeln? Fest steht: das Leben ist komplex und folgt weder einem allgemeingültigen Plan noch einer Anleitung, die (eventuell un-gewollte) Zufälle ausschließt oder unser Dasein erleichtert.

Die Spirale des Lebens ist eher ein Bogen, der einer Hyperbel gleicht. Wir beginnen bei Null, unfähig zu sagen, was vorher war, wachsen heran und befinden uns schließlich am höchsten Punkt, in der Blüte unseres Lebens. Danach geht es langsam aber sicher wieder bergab, körperlich und geistig, bis wir zum Ende hin einem Kleinkind gleichen, unfähig für uns selbst zu sorgen, bis der Tod an die Tür klopft. Was danach kommt, beschäftigt die Menschheit seit jeher und wird (wohl) niemals irdisch beantwortet werden können. Auch nicht auf mat-x.de ;) Ich widme mich deshalb lieber den Gedanken, die sich auf das Leben und den Weg als solchen beziehen.

Gerne würden wir diesen zielgerichtet gehen anstatt planlos hin und her zu irren. Doch wie im Gebirge, stellt man manchmal fest, dass es auch auf dem „falschen Weg“ viel zu entdecken gibt - er am Ende sogar noch schöner ist, wenngleich auch mühsamer, und wir mit ihm wachsen. Dies eröffnet auch die Chance umzudenken und zu uns selbst zu finden. Denn ist uns heute langweilig, so schalten wir den Fernseher ein. Fühlen wir uns morgen unwohl, so telefonieren wir mit Freunden. Es gibt zuviel was uns ablenkt über uns selbst nachzudenken und über unser „Ich“ zu reflektieren.

Einen Weg gehen, heißt aber auch gleichzeitig, andere Wege/Möglich-keiten ausschließen und uns zu entscheiden. Wissen wir, was wir wollen? Einen guten Beruf mit gutem Gehalt, den richtigen Partner, Kinder und das Einfamilienhaus? Und danach? Was wenn die Erfüllung ausbleibt, weil der Mensch an und für sich rastlos ist und immerzu nach mehr strebt (Macht, Reichtum, Ansehen)? Entspricht dies tatsächlich unserer Vorstellung von Glück? Auch noch wenn wir unsere Ziele erreicht haben und (vorerst) gesättigt sind? Merkwürdig, dass Menschen eher reagieren, wie Dagobert Duck. Umso wohlhabender, umso mehr sorgen sie sich. Um ihr Geld, ihre Existenz und ihre Verlustängste. Mit mür-rischen Blicken trifft man sie in U-Bahnen oder gehetzt und gestresst auf den Straßen, das Leben wird verschoben auf später. Doch eigentlich fürchten sie sich vor dem älter werden, abzusteigen auf der zweiten Hälfte des Lebens. Das Geld verleiht ein Gefühl der Sicherheit, als ob man damit den Tod aufschieben und der eigenen Endlichkeit entgehen könnte oder ihr eine lebensverlängernde Wirkung entzöge. Erst wenn sie erkennen und akzeptieren, dass es nicht immer nur aufwärts gehen kann (eben wie bei einer Bergtour), und man auch lernen muss, loszulassen, wird das Leben in seinen Kompliziertheiten und Verstrickungen ein-facher und der Blick frei(er) für die schönen Details und Momente. Denn es gibt noch eine andere Wirklichkeit. Intelligenz, Attraktivität und ein pralles Bankkonto allein machen nicht unser Leben aus. Nicht was wir besitzen zählt. Man muss lernen zu verzichten - ich kann nichts schaffen, das für immer bleibt und nichts mitnehmen, wenn mein Leben zu Ende geht. Je mehr ich mich von diesem Haben und Besitzen wollen löse, desto freier und unabhängiger werde ich und kann mich dem zu-wenden, was das Leben tatsächlich bereichert: die Beziehungen zu Mit-menschen, Liebe, Anteilnahme und Menschlichkeit.

Wichtig ist auch, sich nicht ständig mit Anderen vergleichen zu müssen. Der Wert des Einzelnen hängt nicht davon ab, was er besitzt oder leistet. Zugrunde liegt der falsche Gedanke: ich bin soviel wert, wie ich habe. Dabei ist es doch eher so: je weniger ich brauche, desto glücklicher bin ich. In der Zeit, die mir dann im Alter bleibt, kann ich die einfachen Dinge, wie die Strahlen der Morgensonne, mit ganz anderen Augen sehen und genießen.

Um noch schnell zur Partnerwahl zu kommen und dem, was heute in vielen Köpfen existiert: man entwirft ein Bild in seiner Vorstellung und versucht dann den Menschen diesem Bild anzugleichen. Das ist der falsche Ansatz, denn eigentlich sollte es ja umgekehrt sein. Man sollte sich von einer Person überraschen lassen und entdecken, welches Potenzial in ihr steckt. Erkennen, was und wie sie fühlt...

Bleibt abschließend nur noch zu sagen: Möglich, dass es künstliche Wirklichkeiten, digitale Erfahrungen und virtuelle Paradiese gibt. Aber der menschliche Fuß bleibt das Maß für den Weg und unsere Sinne das Instrument für die Wahrnehmung – wobei wir der Bergmetapher wieder gar nicht so fern wären :)